Charakter:
Der Australian Terrier ist ein kleiner, sehr lieber und intelligenter Hund.
Seiner Familie ist er mit grosser Treue und Anhänglichkeit zugetan. Trotz seines kleinen Wuchses
(ca. 25 cm Widerristhöhe und einem Gewicht von ca. 6 bis 7 kg) muss man ihn wie einen grossen Hund behandeln.
Er passt sich gut dem Stadtleben an, braucht aber ausgiebige Spaziergänge und tobt auch gerne.
Aussies sind durchweg friedlich und gutmütig anderen Hunden gegenüber.
Sie sind äusserst wachsam, dabei aber keine Kläffer.
Das Fell ist leicht zu pflegen und haart kaum, wenn man es täglich kämmt und bürstet.

Abstammung:
Viele Auswanderer von England und Schottland nahmen ihre Hunde mit nach Australien.

Hier mischten sich diese kleinen Terrier – wahrscheinlich mit mehr oder weniger Absicht – mit dem einheimischen rauhhaarigen Terrier.
Natürlich waren die Nachkommen von Anfang an sehr ungleich,
besonders da sie in den verschiedenen Provinzen zu speziellen Zwecken gezüchtet und gebraucht wurden.
Das wichtigste für ihre Besitzer war ihre enorme Anpassung- und Anwendungsfähigkeit.
Man benutzte diesen kleinen Terrier als Hütehund, zum Töten von Schlangen und anderem Ungeziefer,
aber auch für die Jagd. Als Wachhund gegen unwillkommene Fremdlinge war der Aussie unentbehrlich.
Auch Heute ist der Australian Terrier noch nicht Homogen,
weder im Ursprungsland Australien, noch in Amerika, England oder auf dem Kontinent.
Aber verglichen mit den Tieren von ca. 15 Jahren,
ist man auf dem besten Wege den Typ und die Grösse einheitlicher zu bekommen.

Erfahrungsberichte:

Eine deutsche Familie hatte im Australischen Busch eine Panne. Der nächste Ort lag viele Meilen entfernt. Aber zum Glück zeigte ein Wegweiser zu einer Farm. So machte die Familie sich zu Fuss auf den Weg dorthin. Bei der Farm angekommen, wurden sie jedoch von 2 kleinen rauhhaarigen Hunden am Weitergehen gehindert. Nach einigen Minuten kam der Farmer mit einem Landrover angefahren und befahl den Hunden mit der Bewachung aufzuhören und im Jeep Platz zu nehmen. Die Hunde taten dies augenblicklich. Das beeindruckte die Deutschen sehr.
Sie verbrachten einen angenehmen Nachmittag auf der Farm, bekamen Hilfe für ihr Auto – und fingen später an, Australian Terrier zu züchten.“
„Als Hütehund können 5 bis 6 Aussies viele Schafe hüten. Die Hunde springen von Rücken zu Rücken, wenn sie die Herde in
die befohlene Richtung dirigieren – statt lange Umwege zu machen. Um den Hörnern der Schafe zu entgehen, brauchen die Aussies bei dieser Arbeit wirklich ihre grosse Geschwindig- und Geschmeidigkeit und die Fähigkeit, sich im Sprung um ihre eigene Achse drehen zu können.
Diese Wendigkeit ist auch bei der Ratten- und Schlangenjagd notwendig.

Ein schwedischer Aussiebesitzer erzählt:
„An einem Sommertag hörte ich draussen Bellen und Schreien, das mir durch Leib und Seele ging. Damals liebte es mein kleiner Sohn mit ZINA spazieren zu gehen. Und aus der Richtung, wo sie gerade waren, kam der grosse Lärm. Ich stürzte hin! Thomas rief: "Auf dem Rasen liegt ein grosser Regenwurm!!" ZINA hatte Thomas ungefähr fünf Meter vor dem Regenwurm umgeworfen. Der ’Regenwurm’ war eine grosse Kreuzotter!!
Zina bellte aufs Neue – und nun kamen die anderen Hündinnen Cindy und Emma zur Hilfe. Die Schlange wurde plötzlich ein gefährlicher Teufel. Da bekamen Cindy und Emma Kragen – so gross, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Die Schlange hieb auf Cindys Kopf – aber daneben, in den grossen Kragen. Blitzschnell biss Cindy der Schlange in den Hinterkopf und schüttelte sie. Aber die Schlange lebte noch. Emma bellte. Cindy reizte die Schlange zu einem neuen Angriff – Emma sprang von hinten die Schlange an und zerbiss sie in zwei Teile!!! Dann war der Spass vorbei und die Hunde gingen davon. Zina war gebissen worden. Durch eine Eilfahrt zum Tierarzt und Gegengift überstand sie das Abenteuer, das Thomas wahrscheinlich vor Schlangenbissen gerettet hatte.“
Dies war etwas über die Australian Terrier als Wach-, Hüte- und Jagdhunde.

Ausserdem gibt es kletternde Aussies:
„Weil wir nicht so viel Unruhe im Haus haben wollten, als die Hündin heiss war, gaben wir sie in eine Hundepension. Mann kann sich wohl leicht die erschrockene Miene des Pensionsbesitzers John vorstellen, als er die Hündin plötzlich im Korb eines Dackelrüden entdeckte!
Am nächsten Tag versetzte die Hündin den Pensionsbesitzer wieder in Schrecken: er sah, wie sie dabei war am Zwinger von zwei Schäferhunden hochzuklettern. Im letzen Augenblick konnte sie daran gehindert werden. John tat es natürlich leid, dass die Hündin sich jetzt tagelang nur im Hundehaus aufhalten sollte. Deshalb setzte er sie in den Auslauf mit dem höchsten Gitter. Aber klug durch die früheren Erfahrungen, blieb er einige Meter entfernt stehen. Was geschah? Ja – die Hündin kletterte am Gitter hoch, drehte sich auf der Kante um und kletterte rückwärts hinab! Sie sprang das letzte Stück runter, setzte sich dann neben John und guckte ihn an mit dem Ausdruck: "Das machte ich doch gut oder?!"
Nach diesen Klettereien durfte die Hündin John in den Korridoren begleiten und das war ganz nach Ihrem Geschmack!“

Es gibt fast keine Grenzen dafür, was man mit einigen Australian Terrier erleben kann. Manchmal scheinen sie Flügel zu haben. Plötzlich stehen sie auf dem Tisch oder balancieren  auf der Sessellehne. Oder sie springen mit einem Riesensprung aufs – oder vom Bett. Oder sie nehmen eine lange Treppe in wenigen Sätzen. Schimpfen und Schreien hilft nicht – man kann sie nicht ändern!! Das Beste ist: nicht sehen, denn heil herunter kommen sie! Sind sie draussen im Garten, dann können sie auf die Idee kommen auf das Fensterbrett zu springen – und dort bleiben sie stehen – um zu sehen, was im Haus passiert.
Ja, sie sind wirklich unvergleichbar in ihrer Beweglichkeit und ihrem Temperament! Einige Aussies können ohne Anlauf über ein Meter hohe Tore und Hecken springen! Sie kommen zurück – darauf kann man sich verlassen wenn sie nur erstmal untersucht haben, was es auf der anderen Seite Interessantes zu sehen gab.
Kann und will man das Ergötzliche in ihrem Vorhaben sehen und versteht, dass gerade dieses die Natur der Aussies ist, dann hat man einen Kameraden gefunden, mit dem man nie Langeweile haben wird! Sie sind eben kleine, liebe und wagemutige Vagabunden!!

© Bericht von R. Nilson, Schweden
Übersetzung von D. Oesterheld

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